Sebastien Godin ist Partner und Mitglied der Erweiterten Geschäftsleitung der Pensexpert AG sowie Stiftungsrat bei den Sammelstiftungen PensUnit und Pensflex. Im Gespräch mit AIP erklärt er, weshalb 1e-Pläne trotz grossem Potenzial noch immer ein Nischenprodukt sind – und warum sich das ändern sollte.

Sebastien Godin
Partner & Mitglied der Erweiterten GL | Pensexpert AG
Stiftungsrat bei den Sammelstiftungen PensUnit und Pensflex
«Vorsorge ist dann optimal, wenn sie so individuell gestaltet ist wie die Menschen dahinter.»
Partner & Mitglied der Erweiterten GL | Pensexpert AG
Stiftungsrat bei den Sammelstiftungen PensUnit und Pensflex
«Vorsorge ist dann optimal, wenn sie so individuell gestaltet ist wie die Menschen dahinter.»
< 1 %
der Erwerbstätigen in einem 1e-Plan
10x
grösseres Marktpotenzial
CHF 136’080
Einkommensschwelle für 1e-Pläne
Was ist ein 1e-Plan – und für wen ist er relevant?
AIP: Viele sprechen über Vorsorge – aber nur wenige über 1e-Pläne. Was genau ist ein 1e-Plan und für wen ist er wirklich relevant?
Sebastien Godin: 1e-Pläne sind individuelle Vorsorgelösungen innerhalb der überobligatorischen beruflichen Vorsorge, bei denen die Versicherten die Anlagestrategie selbst wählen können. Es findet keine Umverteilung innerhalb der gewählten Anlage statt. Die Bezeichnung «1e» bezieht sich direkt auf den entsprechenden Gesetzesartikel in der Verordnung zur beruflichen Vorsorge.
AIP: Wie weit verbreitet sind 1e-Pläne heute in der Schweiz?
Sebastien Godin: Obwohl 1e-Pläne bereits vor 20 Jahren gesetzlich verankert wurden, sind heute über alle Erwerbstätigen hinweg weniger als 1% in einem solchen Plan versichert – dabei wäre das Marktpotenzial rund zehnmal grösser. Länder mit vergleichbaren Vorsorgelösungen wie das Vereinigte Königreich, die USA oder Kanada verzeichnen deutlich höhere Anteile in der arbeitenden Bevölkerung.
Definition: Was sind 1e-Pläne?
1e-Pläne sind individuelle Vorsorgelösungen für Einkommen über CHF 136’080.–. Der Versicherte wählt die Anlagestrategie vollumfänglich selbst und trägt damit sowohl die Chancen als auch die Risiken. Es findet keine solidarische Umverteilung statt – jeder Franken arbeitet ausschliesslich für den Versicherten selbst.
AIP: Weshalb nutzen trotz des grossen Potenzials so wenige diese Möglichkeit?
Sebastien Godin: Es scheint, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, die breite Bevölkerung könne nicht mit Anlagerisiken umgehen. Deshalb wurde die Einkommensschwelle auf CHF 136’080.– festgelegt, ab der individuelles Sparen in einer 1e-Lösung möglich ist.
Langlebigkeit als Chance – die Rolle der 1e-Pläne
AIP: Welche Rolle spielen 1e-Pläne in der Idee von «Langlebigkeit als Chance»?
Sebastien Godin: Mit der beruflichen Vorsorge wird grundsätzlich zwischen 25 und 65 Jahren angespart. Dieser lange Anlagehorizont bietet enorme Chancen für eine solide Wertentwicklung. Bei 1e-Plänen lässt sich die Anlagestrategie den persönlichen Lebensumständen anpassen. Die steigende Lebenserwartung erhöht den finanziellen Bedarf im Alter – weitsichtiges und nachhaltiges Handeln wird deshalb wichtiger denn je. Jüngere 1e-Versicherte können eine Strategie mit hohem Aktienanteil wählen, da sich Wertschwankungen dank dem längeren Anlagehorizont ausgleichen.

Pensflex: Aktienstrategien statt renditeloses Risiko
AIP: Bei den Pensflex-Lösungen, die AIP verwaltet, betrachten wir CHF-Obligationen als «renditeloses Risiko»: 0% Zins, aber bis zu 1% Kosten. Sind reine Aktienstrategien bei Pensflex überhaupt möglich?
Sebastien Godin: Pensflex ermöglicht reine Aktienstrategien. In Zeiten tiefer Zinsen lohnt sich die Investition in Realwerte wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle. Gemeinsam mit AIP haben wir die Strategie «Pensflex 1e Global» entwickelt, die genau diesem Ansatz folgt.
> 13 %
Während klassische Pensionskassen 0–10% erzielten
1e vs. klassische Pensionskasse: Kontrolle und Gestaltungsfreiheit
AIP: Was unterscheidet einen 1e-Plan fundamental von klassischen Pensionskassenlösungen – insbesondere in Bezug auf Kontrolle und Gestaltungsmöglichkeiten?
Sebastien Godin: Die wichtigsten Unterschiede liegen bei der Umverteilung und der Wahlmöglichkeit der Anlagestrategie. In klassischen Pensionskassen werden Leistungsversprechen an bestehende Rentnerinnen und Rentner häufig zu Lasten der Aktivversicherten quersubventioniert. Bei 1e-Vorsorgelösungen wird das Kapital in der Regel als Einmalzahlung bezogen, um die Wertschriftenanlagen im privaten Vermögen weiterzuführen.
AIP: Was bedeutet dies für die Finanzberatung der Zukunft?
Sebastien Godin: Die Komplexität nimmt mit jedem weiteren Vorsorgegefäss zu. Deshalb wird die Beratung zu einem zentralen Element, um den gewünschten Lebensstandard im Alter möglichst lange aufrechterhalten zu können.
AIP: Wie wichtig ist aus deiner Sicht die Qualität der Vermögensverwaltung im Kontext der individuellen Anlagestrategie?
Sebastien Godin: Die Erwartung des Kunden ist, dass mehr herausschaut als bei einer klassischen Vorsorgelösung. Das setzt voraus, dass der Kunde bereit ist, zeitweise ein höheres Anlagerisiko zu tragen. Ein guter Vermögensverwalter sorgt für regelmässigen Austausch und berät proaktiv bei veränderten Lebenssituationen. AIP zeichnet sich durch persönliche, unabhängige Beratung sowie eine unkomplizierte Umsetzung aus.
Rendite im Vergleich: 1e schlägt klassische PK deutlich
AIP: Wie haben die 1e-Lösungen im Vergleich zu klassischen Pensionskassen abgeschnitten?
Sebastien Godin: Das Anlagejahr 2025 war generell sehr erfreulich. Die Performance klassischer Pensionskassen lag zwischen 0 und über 10%, je nach Aktienquote. Die AIP Pensflex 1e Strategie Wachstum erzielte gar ein Wachstum von über 13%. Bei einer klassischen Pensionskasse würde eine solche Outperformance jedoch nur teilweise den Versicherten gutgeschrieben – die Differenz fliesst in die Wertschwankungsreserven der Stiftung. Zusätzlich werden Pensionskassen im Wettbewerb regulatorisch in der Verzinsung der Aktivversicherten eingeschränkt, solange die Zielschwankungsreserve von 75% nicht erreicht ist – mit einer Verzinsungsobergrenze von 1,75%, unabhängig von der tatsächlichen Performance.

Politische Entwicklungen: Chancen und Risiken für die 2. Säule
AIP: In der Schweiz wird immer wieder über eine höhere Besteuerung von Kapitalbezügen aus der Pensionskasse diskutiert. Wie beurteilst du diese Entwicklung?
Sebastien Godin: Dieses Thema ist zum Glück vom Tisch: National- und Ständerat haben die entsprechende Vorlage klar abgelehnt. Eine Annahme hätte das Vertrauen in unsere 2. Säule erheblich geschwächt. Dennoch sind bereits neue Einschränkungen für die berufliche Vorsorge in Planung.
Aktuelle politische Vorhaben im Überblick
Motion Dittli
Sieht eine verzögerte Übertragungspflicht von 1e-Geldern an Nicht-1e-Vorsorgeeinrichtungen vor. Im Zuge dieser Motion planen die Behörden auch, die gesetzliche Einbringungspflicht zu verschärfen – was bisher eine Kann-Bestimmung war.
Sieht eine verzögerte Übertragungspflicht von 1e-Geldern an Nicht-1e-Vorsorgeeinrichtungen vor. Im Zuge dieser Motion planen die Behörden auch, die gesetzliche Einbringungspflicht zu verschärfen – was bisher eine Kann-Bestimmung war.
Motion Bürgin
Fordert eine Halbierung des maximal versicherbaren Lohnes von aktuell CHF 907’200 auf CHF 453’600. Der Bundesrat empfiehlt die Annahme; die Mehrheit des Nationalrats hat dieser Motion zugestimmt.
Fordert eine Halbierung des maximal versicherbaren Lohnes von aktuell CHF 907’200 auf CHF 453’600. Der Bundesrat empfiehlt die Annahme; die Mehrheit des Nationalrats hat dieser Motion zugestimmt.
Postulat Müller
Schlägt als Alternative zur Halbierung des maximal versicherbaren Lohnes eine Begrenzung von Pensionskasseneinkäufen vor – ähnlich der Regelung im Fürstentum Liechtenstein.
Schlägt als Alternative zur Halbierung des maximal versicherbaren Lohnes eine Begrenzung von Pensionskasseneinkäufen vor – ähnlich der Regelung im Fürstentum Liechtenstein.
«Ich wünsche mir, dass auf politischer Ebene mehr daran gearbeitet wird, die berufliche Vorsorge zu stärken – statt immer neue, einschneidende Restriktionen einzuführen, die sich auf eine Neidkultur stützen. Eine stabile Vorsorge ist die Grundlage für eine zufriedene Bevölkerung.»
— Sebastien Godin | Pensexpert AG
— Sebastien Godin | Pensexpert AG
Empfehlung für Personen 50+: Longevity aktiv gestalten
AIP: Wenn jemand heute 50+ ist und die Lebenserwartung stetig steigt: Was empfiehlst du diesen Personen?
Sebastien Godin: «Longevity» bedeutet, möglichst gesund und aktiv im Alter zu bleiben – das erfordert auch einen grösseren Kapitalbedarf im Pensionsalter. Mit 1e-Plänen kann die versicherte Person die Anlageentscheide mitgestalten und sich stärker damit identifizieren als bei einer klassischen Pensionskasse. Das fördert auch die Bereitschaft, die eigene Altersvorsorge durch Einkäufe aktiv zu stärken. Parallel dazu ist eine persönliche Vorsorgeberatung unabdingbar, um eine optimale Planung sicherzustellen.
AIP: Gegenfrage: Wie stellt AIP dies mit ihren Kunden sicher?
Sebastien Godin: Jede Finanzberatung ist so individuell wie die Menschen und Familien dahinter. Zentral ist die persönliche Klarheit über das benötigte Einkommen nach dem Ruhestand. Allfällige Fehlbeträge können durch regelmässige Ausschüttungen ausgeglichen werden, und bei Bedarf wird ein individueller Entnahmeplan erstellt. Die Basis bildet stets ein stimmiges Risikoprofil.
Warum sollte sich jeder Unternehmer mit 1e-Plänen befassen?
AIP: Wenn du einem gutverdienenden Unternehmer oder Kader eine einzige Empfehlung geben müsstest: Warum sollte er sich heute mit 1e-Plänen befassen?
Sebastien Godin: Getreu dem Motto unseres CEO Rafael Lötscher: «Mir ist Vorsorge wichtig, weil es sich um meinen grössten Vermögensteil handelt – da wünsche ich mir mehr Mitbestimmung.» Genau das bietet ein 1e-Plan: volle Kontrolle über den wichtigsten Vermögensblock im Leben.
«Mir ist Vorsorge wichtig, weil es sich um meinen grössten Vermögensteil handelt. Da wünsche ich mir mehr Mitbestimmung.»
— Rafael Lötscher | CEO AIP AG
— Rafael Lötscher | CEO AIP AG
AIP AG – Ihr unabhängiger Partner für Vorsorge und Finanzberatung aip-so.ch






