Die September-Ausgabe des Monitors zeigt ein Marktumfeld, das robuster wirkt, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Gleichzeitig nehmen die strukturellen Risiken zu: Die US-Staatsverschuldung steigt weiter, lange Zinsen bleiben unter Druck, und die Kapitalmärkte müssen zwischen soliden Unternehmensgewinnen und höheren Finanzierungskosten abwägen.
Ein zentrales Thema ist die stark steigende Schuldenlast der USA. Die Bruttostaatsverschuldung hat die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten und liegt damit bei rund 123% der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig wird für das laufende Jahr ein Haushaltsdefizit von rund 2 Billionen US-Dollar erwartet. Das ist nicht nur eine abstrakte Zahl, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Finanzmärkte: Je höher die Verschuldung, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, zu welchen Kosten diese Schulden künftig refinanziert werden können.
Besonders relevant ist dabei der Schuldendienst. Die jährlichen Zinskosten der USA liegen inzwischen bei rund 1’370 Mrd. US-Dollar, während sie 2021 noch bei rund 450 Mrd. US-Dollar lagen. Der Anstieg ist eine Folge der höheren Verschuldung, aber auch der Zinswende nach der Corona-Zeit. Für Anleger ist dies wichtig, weil steigende Zinskosten den finanzpolitischen Handlungsspielraum einschränken und langfristige Anleihen stärker unter Druck setzen können.
Hinzu kommt ein technisches, aber wichtiges Problem: Ein erheblicher Teil der US-Schulden muss innerhalb der nächsten zwölf Monate refinanziert werden. Viele dieser Schulden wurden ursprünglich zu deutlich tieferen Zinsen aufgenommen. Wenn sie nun zu höheren Sätzen erneuert werden müssen, steigen die laufenden Kosten weiter. Der Monitor spricht deshalb von einem möglichen sich selbst verstärkenden Refinanzierungskreislauf, der den Handlungsspielraum von Staat und Notenbank einschränken kann.
Die Konjunktur zeigt ein gemischtes Bild. In den USA verliert das Wachstum an Dynamik. Die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal annualisiert noch um 1.5%, nach 2.1% im ersten Quartal. Der private Konsum blieb zwar stark, wurde aber teilweise durch Steuerrückzahlungen gestützt. Gleichzeitig zeigen Detaildaten, dass die Kauflaune der Konsumenten seit März nachlässt und die Einzelhandelsumsätze erstmals seit neun Monaten rückläufig waren.
Auch der Arbeitsmarkt kühlt sich ab. Im Juli gingen 23’000 Stellen verloren, und die beiden Vormonate wurden deutlich nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote bleibt zwar bei 4.1%, dies liegt aber auch daran, dass die Erwerbsbevölkerung schrumpft. Der Monitor beschreibt dies treffend als labiles Gleichgewicht.
Europa zeigt sich stabiler als zuletzt. Die Eurozone wuchs im zweiten Quartal um 0.4% gegenüber dem Vorquartal und um 1.0% im Jahresvergleich. Deutschland und Frankreich bleiben mit je 0.2% Wachstum zwar schwach, doch die Vorlaufindikatoren verbessern sich. Die Schweiz überraschte positiv: Das um Sportereignisse bereinigte Wachstum lag im zweiten Quartal bei 1.5% und übertraf alle Analystenschätzungen. Pharma, Chemie und Dienstleistungen trugen wesentlich dazu bei.
Die Geldpolitik bleibt ein weiterer wichtiger Einflussfaktor. Die grossen Notenbanken hielten ihre Leitzinsen im Juli unverändert. Gleichzeitig bleibt die Inflation im Fokus. Die EZB könnte bereits im September wieder erhöhen, während die Fed trotz politischem Druck nur begrenzten Spielraum für tiefere Zinsen hat. Ihr bevorzugtes Inflationsmass liegt weiterhin klar über dem Zielwert.
Der Zinsenteil bleibt damit relevant, wird aber im aktuellen Monitor vor allem über die langen Laufzeiten sichtbar. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe hält sich seit Wochen über 5.2% und tendiert weiter nach oben. Der Markt verlangt eine zusätzliche Prämie für das Halten langer Anleihen. Das US-Finanzministerium versucht gegenzusteuern, indem es Langläufer zurückkauft und sich stärker am kurzen Ende finanziert. Der Monitor beurteilt dies jedoch eher als Notbehelf, denn als nachhaltige Lösung.
Erfreulicher ist die Entwicklung an den Aktienmärkten. Die Berichtssaison bestätigt eine breitere Gewinnbasis. Die Unternehmen des S&P 500 steigerten ihre Gewinne im zweiten Quartal um rund 35% gegenüber dem Vorjahr, und vier von fünf Unternehmen übertrafen die Erwartungen. Wichtig ist: Die Gewinnentwicklung hängt nicht mehr nur an wenigen Technologiekonzernen. Industrie, Finanzwerte und zyklischer Konsum tragen inzwischen stärker mit. Auch in Europa hat sich das Gewinn Momentum verbessert.
Diese Verbreiterung ist für Anleger zentral. Ein Markt, der von mehreren Sektoren getragen wird, ist stabiler als ein Markt, der nur von wenigen grossen Technologiewerten abhängt. Gleichzeitig bleibt künstliche Intelligenz ein wichtiger Treiber. Der Kapitalbedarf der Branche sucht jedoch neue Wege. Broadcom nimmt am Anleihemarkt Geld auf, um gemeinsam mit Partnern Rechenzentren seiner Kunden vorzufinanzieren. Das zeigt, dass sich die Finanzierung des KI-Booms zunehmend verlagert und neue Risiken entstehen können.
Auch Währungen und Rohstoffe bleiben wichtig. Die Rückkauf-Ankündigung des US-Finanzministeriums führte zu einem Rückgang der Zinsen und einer spürbaren Dollar-Abwertung. Der Franken bleibt trotz tiefer Zinsen strukturell stark, weil tiefe Staatsverschuldung und politische Stabilität Vertrauen schaffen.
Bei den Rohstoffen zeigt sich ein konstruktives Bild. Edelmetalle profitieren von guter Nachfrage, und die technische Korrektur der ersten Jahreshälfte scheint abgeschlossen. Die chinesische Zentralbank baut ihre Rolle im Goldmarkt weiter aus, während die Nachfrage nach Rohstoffen durch Energiewende, Infrastrukturprogramme und Rüstungsausgaben gestützt bleibt. Industriemetalle bleiben die Ausnahme und müssen als möglicher Konjunkturindikator aufmerksam beobachtet werden.
Zusammenfassend zeigt der September-Monitor ein Umfeld mit soliden Aktienmärkten, breiterer Gewinndynamik und starker Rohstoffnachfrage. Gleichzeitig bleiben US-Schulden, lange Zinsen und die Geldpolitik zentrale Risikofaktoren. Für Anleger ist entscheidend, nicht nur auf Indexstände zu schauen, sondern auf Qualität, Marktbreite, Finanzierungskosten und reale Gewinnkraft.
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